Interview mit dem Vorsitzenden des Landesverbands des DAV in NRW Jürgen Widder

Bearbeitet von Rechtsanwältin Dr. Susanne Offermann-Burckart,Hauptgeschäftsführerin der RAK Düsseldorf


Jürgen WIdder

Jürgen Widder

 

Seit Mai 2012 ist Herr Kollege Jürgen Widder aus Bochum Vorsitzender des Landesverbands Nordrhein-Westfalen im DeutschenAnwaltVerein.

 

Er trat die Nachfolge des Düsseldorfer Kollegen Dr. Klaus E. Böhm an, der den Vorsitz 18 Jahre innehatte.

 

Über den Landesverband, seine Pläne und Ziele als Vorsitzender, die schwierige Vereinslandschaft in Nordrhein-Westfalen, das Verhältnis von BRAK und DAV und das Thema „Berufspolitik“ im Allgemeinen führten wir mit Jürgen Widder das nachfolgend abgedruckte Gespräch.

 

Jürgen Widder

 

Persönliche Daten

 

  • Geboren am 27.12.2954 in Wattenscheid

  • Verheiratet, 1 Kind

 

Beruflicher Werdegang

 

  • September 1975 – Januar 1981 Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Bochum und Bonn

  • 31. Oktober 1980 Erste Juristische Staatsprüfung

  • Januar 1981 – Juni 1983 Juristischer Vorbereitungsdienst; Stammdienststelle: Landgericht Bochum

  • 30. Juni 1983 Zweite Juristische Staatsprüfung

  • 30. August 1983 Zulassung zur Rechtsanwaltschaft

  • Juli 1983 – Dezember 1987 Rechtsanwalt in der Kanzlei Preutenborbeck und Klug, Bochum-Höntrop

  • 1. Januar 1988 Gründung der Kanzlei Klug und Widder; (seit 2001 „Klug-Widder-Jürgens), Bochum-Höntrup

  • 19. August 1999 Verleihung der Bezeichnung „Fachanwalt für Familienrecht“ durch den Vorstand der Rechtsanwaltskammer Hamm

  • 1. Juli 2002 Zulassung als Rechtsanwalt bei dem Oberlandesgericht Hamm

  • Juli 2004 Ausbildung zum „Mediator“ (DeutscheAnwaltAkademie)

  • Seit Oktober 2005 Lehrbeauftragter der Juristischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum

  • Seit 2007 Dozententätigkeit an der Justizakademie des Landes NRW, Recklinghausen

Ehrenamtliche Tätigkeiten

 

Seit Februar 2002 Vorsitzender des Bochumer Anwalt- und Notarverein e.V., zuvor einige Jahre zunächst Vorstandsmitglied, dann stv. Vorsitzender

 

Seit März 2000 Mitglied des Vorstandes des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen im DeutschenAnwaltVerein; dessen stv. Vorsitzender seit Juli 2002; ab Mai 2012 Vorsitzender

 

 

Mitglied des Berufsrechtsausschusses „Aus- und Fortbildung“ des DeutschenAnwaltVereins von März 2001 – Dezember 2012; zwischenzeitlich von Sept. 2003 – 2010 dessen Vorsitzender

 

1998 - 2003 beisitzender Sportrichter der Kreisspruchkammer Bochum im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen e.V.

 

Vorstandsmitglied im Verein „kunst-plädoyer e.V.“ (Kunst und Kultur am Landgericht Bochum) seit Juli 2003

 

Vorstandsmitglied im Verein „Bochumer Kreis Gewerblicher Rechtsschutz e.V.“ seit August 2005

 

Mitgliedschaften

 

Arbeitsgemeinschaft „Familien- und Erbrecht“; „Verkehrsrecht“

Arbeitsgemeinschaft „Mediation“ im DeutschenAnwaltVerein

Mitglied des „Deutschen Familiengerichtstag“

Mitglied der „Juristischen Gesellschaft Ruhr e.V.“

 

 

Die Redaktion:

Herr Kollege Widder, wir freuen uns über die Möglichkeit, dieses Interview mit Ihnen zu führen. Bitte berichten Sie uns zuerst etwas über Ihren beruflichen und vor allem auch berufspolitischen Werdegang.

 

Widder:

Liebe Frau Kollegin Dr. Offermann-Burckart, zunächst vielen Dank für das Interesse der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf.

 

Ich denke, mein Werdegang unterscheidet sich nicht spektakulär von der Vita vieler Kolleginnen und Kollegen. Nach dem Studium in Bochum und Bonn habe ich Ende 1980 mein erstes Staatsexamen in Hamm abgelegt und sodann meinen Referendardienst beim Landgericht Bochum durchgeführt. Im Juni 1983 durfte ich hocherfreut beim Landesjustizprüfungsamt das 2. Staatsexamen in Empfang nehmen.

 

Schon seit der Anwalts-Stage hatte ich in einer kleinen Notariats- und Anwaltskanzlei in Bochum mitgearbeitet und bin dann nach dem Examen dort geblieben; so wuchs diese Kanzlei von zwei auf drei Kollegen. Die vielfältigen und abwechslungsreichen Anforderungen im Rahmen einer kleinen Kanzlei – so nah am Mandanten – haben mir sehr gut gefallen. So ist meine berufliche Prägung durch diesen Werdegang beeinflusst. Berufspolitisch fühle ich mich eher als „Spätzünder“. Ich meine dies im Vergleich zu vielen jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich schon früh engagieren, z.B. im „Forum Junge Anwaltschaft“ des DAV. Ich kenne von diesen nicht wenige, die inzwischen in Vereinen oder den Kammern aktiv tätig geworden und geblieben sind.

 

Ich selbst habe mich erst gegen Ende der neunziger Jahre aktiv in den örtlichen Verein eingebracht. Bis dahin hatte ich mehr oder weniger nur die jährlichen Vereinstreffen besucht – nachdem ich mich jedoch einige Male gegenüber dem Vorstand zu aktuellen Themen geäußert hatte, war ich schon zur Mitarbeit „verhaftet“ worden. Dabei kam für mich weiteres Interesse an berufspolitischer Tätigkeit auf und ich kandierte 2000 für den Vorstand des Landesverbandes NRW. Zwei Jahre später übernahm ich von meinem geschätzten Vorgänger Egbert Schenkel in Bochum den Vorsitz des Bochumer Anwalt- und Notarvereins.

 

Viele Aktivitäten des DAV hatte ich bis dahin für den Bochumer Anwalt- und Notarverein begleitet und so kam der damalige Vizepräsident des DAV (und spätere Präsident) Hartmut Kilger auf mich zu und berief mich in den Ausschuss für „Aus- und Fortbildung“, den ich aufgrund meiner jetzigen Aktivität im Landesverband auf eigenen Wunsch zum Jahresende 2012 verlassen habe. So kann ich heute auf eine etwa 13-jährige aktive Verbandstätigkeit zurückblicken – mit ganz überwiegend erfreulichen und zufriedenen Momenten.

 

Die Redaktion:

Die Anwaltsorganisationen, also sowohl die Rechtsanwaltskammern als auch die Anwaltvereine, beklagen unisono ein abnehmendes Interesse der Rechtsanwälte an berufspolitischer Arbeit. Dies finde seinen Ausdruck in den geringen Teilnehmerzahlen an Kammer- und Mitgliederversammlungen, in der geringen Beteiligung an Wahlen zu Kammer- und Vereinsvorständen, zur Satzungsversammlung und sogar zur Vertreterversammlung der Versorgungswerke und auch in der geringen Bereitschaft, selbst aktiv in den Gremien der Anwaltschaft mitzuwirken. Deckt sich dies mit Ihren Beobachtungen und was sind die Beweggründe für Ihr persönliches Engagement? Was kann man tun, um dem beschriebenen Trend entgegenzuwirken?

 

Widder:

Zumindest im eigenen Bereich unseres Vereins kann ich keine großen Defizite engagierten Mitwirkens feststellen – gerade auch jüngere Kolleginnen und Kollegen sind bereit, sich im Verein aktiv einzubringen. Ein Beispiel: Der Bochumer Anwaltverein begleitet für den DAV das Career-Center anlässlich der Absolventenfeier der Juristischen Fakultät der Ruhr-Uni Bochum mit einem Stand. Da gibt es keine Probleme, eine Unterstützung aus dem Verein zu bekommen. Unser Vorstand im Verein in Bochum ist aktiv tätig, viele Vorstände in Mehrfachämtern, wie z.B. Vorstand Rechtsanwaltskammer, Vorstand Notarkammer, Anwaltsgericht und Versorgungswerk sowie Satzungsversammlung.

 

Ich gebe Ihnen allerdings zu, dass dies nicht überall selbstverständlich ist. Ehrenamtliches Engagement steht nicht bei Jedem hoch im Kurs.

 

Allerdings verstehe ich die Teile der Kollegenschaft nicht, denen es egal ist, ob die Satzungsversammlung Wahlen hat oder wer sie im Versorgungswerk vertritt. Wir Anwältinnen und Anwälte sind doch eine Berufsgruppe, die sich in allen Bereichen selbst organisiert. Die gesamte Berufsverantwortung liegt in der Hand der Kammern als einem Selbstverwaltungsorgan. Darum werden wir von anderen Professionen beneidet. Das ist doch ein Gut, das gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ein Privileg ist es außerdem - und wir müssen es häufig genug gegen Reformpläne aus Brüssel verteidigen. Das darf keiner Kollegin, keinem Kollegen gleichgültig sein.

 

Nach meinem Dafürhalten wird Aktivität im Verein durch aktive Mitglieder vorgelebt, also ist es hier die Vorbildfunktion, die weiteres Engagement nach sich ziehen kann.

 

Die Kollegen zu aktivieren bleibt für Kammern und Vereine aber ein „dickes Brett“, das gebohrt werden muss – offensichtlich muss hier immer wieder engagiert erinnert werden.

Für mich persönlich bedeutet der Anwaltsberuf mehr als nur die Bearbeitung von Fällen und die Auslösung von Gebühren – berufspolitisches Wirken sehe ich als ebenso wichtigen Teil der eigenen Profession. Es erweitert zudem den eigenen Horizont, wenn man sich mehr einbringt als der „Nur“-Anwalt.

 

Die Redaktion:

Für viele „normale“ Vereinsmitglieder ist es nicht ganz einfach nachzuvollziehen, wie die Mitwirkungs- und Abstimmungsprozesse im DeutschenAnwaltVerein geregelt sind, wer z.B. Zugang zu Mitgliederversammlungen hat, und welche Funktion in diesem schwierigen Gefüge den Landesverbänden zukommt. Können Sie uns hier nähere Einsichten vermitteln?

 

Widder:

Manchmal habe ich den Eindruck, dass es selbst gestandenen Kollegen schwerfällt, zwischen Kammer und Verein richtig zu unterscheiden – aber im Ernst: Ich gebe zu, dass die vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten im Bereich des DeutschenAnwaltVereins (DAV) nicht immer einfach zu durchschauen sind. Der DAV ist der Verband der Vereine. Diese örtlichen Vereine sind die Mitglieder des DAV, die einzelnen Anwältinnen und Anwälte erleben also nur eine vermittelte Mitgliedschaft.

 

Abstimmungen auf der Mitgliederversammlung des DAV nehmen die Vorsitzenden der örtlichen Vereine bzw. deren Vertreter wahr. Die Mitgliederversammlung wählt ihrerseits den DAV-Vorstand, der sich aus insgesamt 19 Vorständen zusammensetzt, davon sind zurzeit 7 Kolleginnen.

 

Dieser Vorstand wählt aus den eigenen Reihen den Präsidenten. Der wiederum kann sich zu seiner Unterstützung weitere Vizepräsidenten wählen (die nicht notwendigerweise Vorstände sein müssen). Gegenwärtig sind es 7 Vizepräsidenten (darunter 3 Kolleginnen). Einer der Vizepräsidenten ist der amtierende Präsident dieser Rechtsanwaltskammer, Herr Kollege Herbert P. Schons.

 

Die Landesverbände sind in diesem System sozusagen „neben“ die Vereine gestellt. Hier werden die Belange der örtlichen Vereine in den 16 Bundesländern gebündelt. Der Vorsitzende der Runde aller Landesverbände (Landesverbandskonferenz) ist das einzige geborene Vorstandsmitglied im DAV – ein Amt, das ich selbst drei Jahre lang ausgeübt habe.

 

Die Redaktion:

Welches sind die konkreten Aktivitäten des nordrhein-westfälischen Landesverbands? Wie sehen hier Ihre eigenen Pläne für die Zukunft aus?

 

Widder:

Sehen Sie, der neue Vorstand, der neue Vorsitzende, hat nicht die Absicht, das Rad neu zu erfinden.

 

Es gibt eine Reihe von Gesprächs- und Kontaktkreisen, die wir weiterhin pflegen wollen: das mindestens einmal jährlich stattfindende Gespräch mit den Präsidenten – und auch mit deren Geschäftsführern - der drei in NRW ansässigen Rechtsanwaltskammern, aber auch mit den beiden Notarkammern, schließlich gibt es in unserem Bundesland Anwaltsnotare.

 

Weiter gehören dazu der Kontakt zum Vorstand der Landesgruppe des Deutschen Richterbundes und der Austausch mit den Obleuten des Rechtsausschusses im Landtag NRW, um weitere wichtige Partner zu nennen. Hier gilt es auch in Zukunft ein verlässlicher und berechenbarer Partner als Vertreter der Landes-Anwaltschaft zu bleiben. Das gilt in gleicher Weise für die guten Gesprächsebenen im Justizministerium, bis hin zu Herrn Justizminister Kutschaty.

 

Eine wichtige Veranstaltung ist aus unserer Sicht unser „Einladungsabend“. Zum Jahresende hin lädt der Landesverband seine Mitglieder, also die Vereinsvorsitzenden, die Vertreter aus dem Rechtsausschuss des Landtages, den Minister und seine Abteilungsleiter und die Spitzen der NRW–Justiz zu einem Abendessen in Düsseldorf ein. Da geht es nicht nur um einen „schönen Abend“ mit „lecker Essen“, sondern um Kontaktpflege im besten Sinn.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt unserer Arbeit ist der Landesverbandstag. Nunmehr sind wir dabei, zum vierten Mal diesen Landesverbandstag umzusetzen: Am 26. und 27. April treffen wir uns im BEW (Bildungszentrum für die Entsorgungs- und Wasserwirtschaft) in Duisburg. Eingeladen sind Vereinsvertreter und an der Verbandstätigkeit interessierte Kolleginnen und Kollegen. Das Thema: „Elektronischer Rechtsverkehr in Nordrhein-Westfalen - Realität oder Fiktion?“ Es gilt: bitte vormerken und anmelden!

 

Solche Aktivitäten will der Vorstand weiter pflegen. Wir wollen das Ohr für die landesspezifischen Belange der NRW-Anwaltschaft sein, deren Interessen wir dann nach außen hin, auch gegenüber dem DAV, vertreten.

 

Es würde mich freuen, wenn ich diese anspruchsvolle, aber auch hochinteressante Tätigkeit noch einige Jahre neben meinem Vereinsvorsitz in Bochum ausüben darf. Wichtig für mich ist dabei, dass die weiteren Vorstandsmitglieder dieses alles – und auch mich - unterstützen, und das tun sie!

 

Die Redaktion:

Wie finanziert sich der Landesverband? Wie ist der Landesverband organisatorisch aufgestellt, gibt es also beispielsweise eine Geschäftsstelle mit fest angestellten Mitarbeitern?

 

Widder:

Ja, das liebe Geld: Jedes Anwaltsvereins-Mitglied zahlt seinen Beitrag an seinen örtlichen Anwaltverein, der seine Beiträge auf Grundlage der eigenen Satzungshoheit festlegt.

 

Der Verein führt davon pro Vereinsmitglied in etwa 127,00 Euro an den DAV ab und zusätzlich gut 3,00 Euro an den Landesverband – da sehen Sie auch gleich den Unterschied des wirtschaftlichen Stellenwertes zwischen dem Bundesverband und den Landesverbänden.

 

Das heißt zum einen, dass erst alles oberhalb dieser 130,00 Euro dem eigenen, örtlichen Verein zugutekommt. Zum anderen hat der Landesverband selbst keine anderen eigenen Geldquellen, außer diesen kleinen Mitgliedsbeiträgen.

 

Wir haben einen Geschäftsführer, der die Vorstandstätigkeit unterstützt und dafür eine geringe Aufwandsentschädigung erhält.

 

Unsere Geschäftsstelle wird durch die Mitarbeiterinnen des Düsseldorfer Anwaltvereins mit besetzt, wo auch nach wie vor der Sitz des Landesverbandes ist. Den Landesverband erreichen Sie daher auch über die Geschäftsstelle des Vereins im Justizzentrum an der Werdener Straße hier in Düsseldorf. Beide – Geschäftsführer und Geschäftsstelle - sorgen für einen professionellen Ablauf und nehmen dem Vorsitzenden einiges an Arbeit ab.

 

Der Landesverband selbst hat 7 Vorstandsmitglieder, die satzungsgemäß aus den Bezirken der drei Kammern stammen müssen: je zwei aus den Bezirken Düsseldorf und Köln und drei aus dem Hammer Bezirk.

 

Die Redaktion:

Die „Landschaft der Anwaltvereine“ präsentiert sich in Nordrhein-Westfalen sehr unterschiedlich. Im OLG-Bezirk Köln gibt es im Wesentlichen drei große Vereine (nämlich die Anwaltvereine Aachen, Bonn und Köln). Im OLG-Bezirk Düsseldorf existieren sechs Landgerichtsvereine und darüber hinaus 11 örtliche Vereine. Und im OLG-Bezirk Hamm gibt es außer den Landgerichtsvereinen sogar 25 örtliche Vereine. Haben diese ganz unterschiedlichen Strukturen aus Ihrer Sicht ihre Daseinsberechtigung oder würden Sie es für sinnvoll halten, die Kräfte insgesamt in weniger, dafür aber größeren Vereinen zu bündeln?

 

Widder:

Liebe Frau Dr. Offermann-Burckart, hätten Sie diese Frage nicht gestellt, hätte ich mir dies als Thema ohnehin gewählt. Der Comedian Rüdiger Hoffmann (Westfale) hat seinerzeit seine Auftritte mit dem Rheinländer Jürgen Becker betitelt: „Es ist furchtbar, aber es geht“, womit das Land Nordrhein-Westfalen schön und gleichzeitig kritisch beschrieben wird.

 

Während die rheinische Tradition offensichtlich auf Vereinsgröße und Zusammenfassung geht, liebt der Westfale seinen kleinen eigenen Verein. Sicher hat auch das seinen Charme, aber effizient ist es nicht immer. Zu den von Ihnen genannten Zahlen muss man im Bezirk Hamm die Landgerichtsvereine zu den übrigen örtlichen Vereinen dazuzählen. Dann ist man bei insgesamt 43 Vereinen allein im Bezirk Hamm.

 

Direkt vor meiner Haustür sieht das so aus: Der Bochumer Anwaltverein deckt den Stadt- und Amtsgerichts-Bezirk Bochum ab. Den Landgerichts-Bezirk teilen wir mit den 4 weiteren Vereinen: Witten, Herne, Herne-Wanne und Recklinghausen. Aktivitäten und Fortbildungen finden in und aus Bochum statt. Davon profitieren auch die Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbarstädten, ein Mitgliedswechsel findet dennoch faktisch nicht statt. Auch dann nicht, wenn der eigene (kleine) Verein allenfalls den jährlichen Sommerausflug oder das winterliche Gänseessen mit den wenigen Richtern des Amtsgerichts anbieten kann.

 

Auf den Mitgliederversammlungen des DAV zählen für Abstimmungen aber Stimmenanteile, und die rechnen sich nach der Vereinsgröße. Es bleibt also mitunter „furchtbar“.

 

Wir behelfen uns mit einem Austausch der Vorsitzenden. Wer die Mitgliederversammlung des DAV nicht wahrnehmen kann, gibt seine Vollmacht an den Vorsitzenden weiter, der diese besucht. So „geht es dann doch“.

 

Ein bisschen mehr Größe und Effizienz wäre mir aber so manches Mal doch lieber. So wird vielleicht eines Tages über den Weg von Kooperationen doch der eine oder andere Zusammenschluss folgen.

 

Die Redaktion:

Für Diskussionsstoff sorgt seit Jahrzehnten das Verhältnis zwischen den Rechtsanwaltskammern und den Anwaltvereinen. Mal ist von Rivalität, mal von „Verbrüderung“ die Rede. Wie würden Sie das aktuelle Verhältnis beschreiben, wo sehen Sie Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede der Anwaltsorganisationen und was sind die Vorteile, was die Nachteile der Dualität?

 

Widder:

Momentan scheint es in der Tat zwischen den Spitzen von DAV und Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gut zu laufen. Diesen Eindruck habe ich von außen. Das mag auch an den gegenwärtigen Präsidenten der beiden Organisationen liegen.

 

Ich glaube schon, dass eine „Dualität“ insgesamt ein Vorteil für die verfasste Anwaltschaft ist. Seit die Kammern alle Aufgaben des anwaltlichen Berufsrechts übernommen haben, stehen sie in einer besonderen Verantwortung gegenüber allen Kollegen. Da ist die Möglichkeit, dass Anwälte sich freiwillig - auch mit der Wahl eines Austritts - in einem Verein organisieren können, geradezu eine Notwendigkeit. Das meine ich aber nicht im Sinne einer gekünstelten Rivalität. Es kommt vielmehr auf den Blickwinkel des einzelnen Anwaltes an: Was darf ich von meiner Kammer erwarten, was kann ich ihr sagen und was kann ich von meinem Verein verlangen?

 

Ich lese zurzeit von einer Reihe gemeinsamer Stellungnahmen von BRAK und DAV gegenüber dem Bundesgesetzgeber und dem BMJ. Das merkt die Politik doch, dass die Anwaltschaft da mit einer Zunge spricht. Und wann hat es das schon mal gegeben, dass ein RAK–Präsident gleichzeitig DAV-Vize-Präsident ist, womit ich wieder bei dem Kollegen Schons bin. Also: Trennung ja, weil unterschiedliche Aufgaben und Sichtweisen, aber Zusammenwirken im Interesse der gemeinsamen Sache.

 

Die Redaktion:

Nicht nur die Einheit der Anwaltsorganisationen, vor allem auch die Einheit der Anwaltschaft wird zurzeit in Frage gestellt. Die Schere zwischen Einzelkämpfern und Großkanzleien klafft immer weiter auseinander, Syndikusanwälte suchen – nicht nur in den Versorgungswerken – ihren Platz und die fachliche Spezialisierung nimmt beständig zu. Ist es angesichts dessen überhaupt noch möglich, von der Anwaltschaft zu sprechen und welche besonderen Schwierigkeiten und Herausforderungen ergeben sich aus der beschriebenen Inhomogenität für Kammern und Vereine?

 

Widder:

In der Tat eine Zukunftsaufgabe. Würden wir draußen vor dem Kammergebäude auf der Freiligrathstraße eine Bürger-Umfrage starten: „Wie stellen Sie sich einen Anwalt vor?“, bekämen wir vielleicht noch ein recht einheitliches Bild, das aber jetzt sicher schon anders aussieht, als hätten unsere Kollegen vor 40 oder 50 Jahren dieselbe Frage gestellt. Intern wissen wir längst, dass sich die Dinge um den Berufsstand drastisch geändert haben.

 

Allein die rasante Entwicklung der Fachanwaltschaften – ich glaube, ich habe bei 20 aufgehört zu zählen - zeigt den Wandel. Der DAV hat auf die Differenzierung mit der Bildung paralleler Arbeitsgemeinschaften reagiert. Zu Recht, wie sich zeigt. Die Mitgliedschaft in einer Fach-Arbeitsgemeinschaft verlangt zunächst die Mitgliedschaft im Verein und damit im DAV. Es sind wohl nicht wenige Kollegen, deren Interesse am Vereinsbeitritt über das Interesse der Mitgliedschaft in einer Arbeitsgemeinschaft geweckt wird.

 

Ich habe es bisher immer als ein Ideal empfunden, dass die vereins-verfasste Anwaltschaft in einem einzigen Verein, dem DAV, zusammengebündelt ist. Wenn ich einen Seitenblick auf die Zersplitterung in der Gewerkschaftsszene wage (auch wenn das nur bedingt vergleichbar ist), glaube ich, dass uns als Anwälten das System: Kammern hier – ein Verein dort, gut getan hat. Die Veränderung in der anwaltlichen Berufsausübung muss innerhalb der Verbände und von den Verbänden aufgefangen werden. Auch deshalb dürfen z.B. Syndikusanwälte nicht aus dem System gedrängt werden.

 

Die Redaktion:

Rechtsanwälte sind Individualisten. Es gibt Soziologen, die sogar vom „Akten-Autismus“ der Anwälte sprechen. Wie kann es gelingen, den Anwälten zu verdeutlichen, dass nur Einigkeit stark macht? Gerade bei den aktuellen Diskussionen um das Zweite Kostenrechtsmodernisierungsgesetz und die Novellierung des Prozesskostenhilfe- und Beratungshilferechts zeigt sich ja, wie wichtig es ist, dass die gesamte Anwaltschaft mit einer Stimme spricht.

 

Widder:

Ich glaube, das schon angesprochen zu haben: Es darf nicht so weit kommen, dass man uns Anwälten – z.B. im Zuge einer europäischen Harmonisierung – einen Teil der Selbstverwaltung wegnimmt, und erst dann bemerkt wird, wie wertvoll diese war. Also gilt es, vorher Betroffenheit zu schaffen: deutlich zu machen, dass es um den gesamten Berufsstand geht. Ich meine, dass es richtig ist, schon früh bei den jungen Kolleginnen und Kollegen für diese Ziele zu werben, auch bei den Referendaren schon. Individualisten bekommt man nur dann in einen Verein, wenn man ihnen die Individualität belässt. Aber wir müssen Bewusstsein für die Interessen schaffen, die man nur gemeinsam durchsetzen kann.

 

Die Redaktion:

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen – wie stellen Sie sich die Anwaltschaft in 10 oder 15 Jahren vor?

 

Widder:

Zunächst einmal: deutlich mehr Anwältinnen - das zeigt die Statistik schon jetzt. Dann auch größere Kanzleizusammenschlüsse. Nicht so sehr im „High-End“–Bereich, sondern auch für das „normale“ rechtsuchende Publikum. Den Einzelanwalt wird es sicher noch geben, aber er wird seltener. Den „Generalisten“ will ich dabei aber nicht totreden. Die Arbeit wird meiner Vermutung nach mehr IT–lastig werden, Stichwort: elektronischer Rechtsverkehr. Weniger Arbeit wird es damit sicher nicht werden.

 

Die Redaktion:

Würden Sie jungen Leuten heutzutage raten, den Beruf des Rechtsanwalts anzustreben, und wie sollte sich jemand, der noch im Studium oder auch schon im Referendardienst steht, auf diesen Beruf vorbereiten?

 

Widder:

Wer wagt es schon, Zukunftstipps zu geben? Aber wurde nicht immer schon gewarnt, es gebe zu viele Juristen, zu viele Anwälte? Nennen Sie mir einen Jura-Studenten, der solche Warnungen nicht von seinem Professor gehört hat.

 

Aber gerade jetzt werden Anwälte gesucht. Die Justiz hat heute schon Nachwuchsprobleme. Es finden sich zu wenig geeignete Bewerber für die Richterstellen, weil die gut bezahlenden Anwaltskanzleien sich den „guten“ Juristennachwuchs in ihr Boot holen. Aber selbst, wenn es irgendwann mal wieder einen gegenteiligen Trend geben wird: ein gewagtes „Ja“.

 

Die Redaktion:

Was ist eigentlich aus der Referendarausbildung des DAV geworden?

 

Widder:

Es ist leider still geworden um eine gute Idee, zumal ich jahrelang im Rahmen der Tätigkeit im Ausbildungsausschuss des DAV an diesem „Baby“ mitgewirkt habe. Das Programm führt der DAV mangels Nachfrage nicht mehr durch. Ich denke aber auch heute noch, dass dies ein richtiger und ein guter Weg war, ehrgeizigen Anwaltsnachwuchs gezielt auf den Beruf vorzubereiten. Über die Gründe des Scheiterns vermag ich nur zu spekulieren: Noch heute wartet der Referendar auf die Note des 2. Examens, um sich zu entscheiden, welche berufliche Entwicklung er anstrebt. Da findet vorausschauende Berufsplanung nach wie vor zu wenig statt.

 

Die Redaktion:

Was sind die besonderen Qualitäten, die ein angehender Anwalt mitbringen muss?

 

Widder:

Vorneweg gilt: Er muss „Anwalt“ wollen. Anwalt aus Verlegenheit ist ein schlechter Ratgeber für diesen verantwortungsvollen Beruf.

 

Der Anwalt ist aber immer Unternehmer, meist auch Arbeitgeber. Das sollte ein Berufsanfänger bedenken. Selbstständigkeit im Beruf ist schön, bietet Chancen, hat aber auch das Risiko fehlender Planbarkeit. Gute Jahre, schlechte Jahre – Umsatz- und Gewinnschwankungen kennt sicher jeder Anwalt. Die Qualitäten Durchhaltevermögen, Geschäftssinn und Anpassungsfähigkeit gehören also zu den guten Tugenden eines angehenden Anwalts.

 

Die Redaktion:

Zu den wichtigen Themen, denen sich vor allem auch die Anwaltvereine widmen, gehört die Fortbildung der Rechtsanwälte. Fachanwälte unterliegen bekanntlich einer streng kontrollierten Fortbildungspflicht im Umfang von 10 Zeitstunden pro Kalenderjahr. Die Satzungsversammlung diskutiert zurzeit darüber, ob auch für Nicht-Fachanwälte eine überprüfte Fortbildungspflicht eingeführt werden soll, die § 43a Abs. 6 BRAO ja eigentlich voraussetzt. Was halten Sie von solchen Überlegungen?

 

Widder:

Ja, ja und noch ein Ja. Nicht zu dem Zweck, den Fortbildungsmarkt zu protegieren. Nur: Zur Zukunftssicherung gehört es, dass sich die Anwälte von anderen Berufsgruppen im Rechtsberatungsmarkt abgrenzen. Dazu muss der Wert einer professionellen Qualitätssicherung, zu der gerade die Fortbildung zählt, hochgehalten werden. Fortbildung sollte deshalb kein „Lippenbekenntnis“ i.S. von § 43a Abs. 6 BRAO bleiben, womit ich nicht für eine Sanktionierung der Fortbildung plädiere.

 

Ich habe auch kein perfektes Konzept, hier sind wir noch in einem Denkprozess. Mir schweben Belohnungssysteme vor, ähnlich denen, die mit werbewirksamen Zertifizierungsbescheinigungen auch heute schon existieren. 10 Fortbildungsstunden sind sicher für einen Fachanwalt nicht allzu viel. Hier muss jedoch bedacht werden, dass es inzwischen nicht wenige Kollegen gibt, die zwei Fachanwaltschaften besitzen und entsprechende zeitliche Fortbildungspflichten haben.

 

Die Redaktion:

Was kann man tun, um Fortbildung attraktiv zu machen?

 

Widder:

Neue Wege gehen, die aktuellen Medien nutzen, auch das Internet. Aus der Ärztefortbildung ist mir ein gestaffeltes Punktesystem bekannt: Für den Bezug z.B. von Fachzeitschriften gibt es nur geringe Punktzahlen, für Präsenz-Seminare hohe Punkte. Für andere Fortbildungsmaßnahmen sind unterschiedlich hohe Punktvorgaben vorgesehen. Das könnte ein Ansatz auch in der Anwaltsfortbildung sein.

 

Die Redaktion:

Was halten Sie denn grundsätzlich von neuen Formen der Fortbildung, also insbesondere den verschiedenen Spielarten der Fortbildung im Internet?

 

Widder:

Hier gibt es noch viel zu diskutieren, wie man solche Formen moderner Fortbildung so nutzbar machen kann, dass Fortbildung nicht billig erschlichen wird. Das ist also die Frage einer gewissen Kontrolle. Aber wenn Sie an die Teilnehmer in unseren Fortbildungen denken, da haben Sie auch keine Kontrolle darüber, wer z.B. lediglich seine Stunden nur "absitzt". An dieser Stelle ist noch Kreativität gefragt. In den zurzeit geführten Diskussionen sind mir die Kammern häufig zu konservativ und zu wenig flexibel in den Überlegungen.

 

Die Redaktion:

Was halten Sie von den aktuellen Vorschlägen des DAV zur Änderung von § 46 BRAO?

 

Widder:

Sie sprechen hier an, inwieweit man die Syndikusanwälte den übrigen Anwälten gleichstellen soll. Der DAV hat sich dazu positioniert. Eine Besorgnis kommt ja deswegen auf, weil das bisherige Verbot des Syndikus, für seinen Arbeitgeber tätig zu werden, insbesondere vor Gericht, in Wegfall kommen könnte. Das wiederum kann vielen Kolleginnen und Kollegen Mandate in erheblichem Umfang kosten.

 

Andererseits möchte man diese zahlenmäßig erhebliche Anzahl von Kollegen in das Versorgungswerk bekommen. Aus meiner Sicht ein sensibles Thema, in dem es noch einigen Abstimmungsbedarf gibt. Gerade eben hat sich Prof. Prütting im Anwaltsblatt Februar 2013 dazu geäußert. Wir sind noch mitten in der Diskussion.

 

 

Die Redaktion:

Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass Rechtsschutzversicherer in den originären Rechtsberatungsmarkt drängen?

 

Widder:

Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Versicherer jede Möglichkeit der Kostenoptimierung nutzen wird, was grundsätzlich auch in Ordnung ist. Von außen betrachtet sieht es so aus, als hätten die Rechtsschutzversicherer ihre Konzepte geändert. Während früher die Finanzierung der Rechtsberatung und -verfolgung der Versicherungsnehmer im Fokus gestanden hat, scheint heute das Ziel verfolgt zu werden, selber Rechtsberatung anzubieten. Das werden wir weder auf Kammerebene noch auf Vereinsebene verhindern können. Der DAV fordert aber Transparenz von Seiten der Versicherer dahin, welche Qualitätsmerkmale bei der Auswahl der Anwälte zugrunde gelegt werden, mit denen die Versicherungen zusammenarbeiten.

 

Die Redaktion:

Was halten Sie von Mediation und sonstigen Formen der außergerichtlichen Streitbeilegung? Und wie hoch schätzen Sie hier die Konkurrenz, z.B. auch der Rechtsschutzversicherer, ein?

 

Widder:

Frau Kollegin, Sie fragen den überzeugten Mediator in mir nach dem Wert der Mediation? Natürlich bewegt mich, dass wir nach wie vor an diesem Thema innerhalb der Anwaltschaft festhalten müssen. Es darf nicht geschehen, dass sich hier die Anwälte einen Zukunftsmarkt nehmen lassen. Aber wir sind eben nicht allein auf diesem Markt als Anbieter unterwegs. Viele Rechtsschutzversicherer haben in ihren Verträgen sog. Mediationsklauseln, bieten z.B. den Kunden günstigere Prämien an, wenn diese sich verpflichten, vor dem Gerichtsgang eine Mediation ihres Rechtskonfliktes durchzuführen. Das kann zurzeit noch ein Vorteil für die außergerichtliche Mediation sein.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass in Zukunft auch hier viele Versicherungen versuchen werden, steuernd Einfluss auf die Auswahl der Mediatoren zu nehmen. Ich habe selbst einige Kontakte zur Advocard, diese setzt allerdings darauf, dass sich die Kunden ihren Mediator selbst aussuchen.

 

Dass es der Gesetzgeber mit der konsensualen Streitbeilegung ernst nimmt, sehen Sie schon daran, dass die Justiz in NRW ein flächendeckendes Güterichtermodell aufbaut. Und mal Hand auf Herz, welcher Kollege berücksichtigt heute in seine Klageschriftsätzen den § 253 Abs. 3 Ziff. 1 ZPO (Angabe darüber, ob Mediation oder ein anderes Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung vorausgegangen ist), obwohl das gesetzliche Bestimmung ist?

 

Die Redaktion:

Ein Thema, das in den Anwaltvereinen zum Teil kontrovers diskutiert wurde, ist die Werbekampagne des DAV. Diese Kampagne ist durchaus attraktiv, aber wie Vieles, das gut ist, auch entsprechend teuer. Das hat zu Meinungsverschiedenheiten über die Kosten-Nutzen-Relation geführt. Wie stehen Sie zu der Werbekampagne und in welcher Form wird diese fortgesetzt?

 

Widder:

Die Kampagne hat mich schon begeistert. Es war auch an der Zeit, für ein einheitliches Anwaltsimage in der Außendarstellung zu werben. Viele Vereine haben tolle Ideen auf dieser Grundlage umgesetzt. Denken Sie z.B. an öffentliche Anwaltsberatungstage auf dem Marktplatz einer Stadt, oder an eine Schwebebahn in Wuppertal, wo jeweils das Werbelogo der Kampagne verwendet wurde. Das hatte es meiner Erinnerung nach zuvor in der Anwaltschaft noch nicht gegeben.

 

Wir haben in Bochum im Verein keine Probleme gehabt, dass die Kolleginnen und Kollegen zur Zusatz-Finanzierung bereit waren.

 

In Zukunft wandelt sich die Imagekampagne. Die Ideen werden fortgeführt, aber nicht mehr in Gestalt einer Zeitschriftenwerbung. Das neue Ziel ist es nun, im Internet mit einer Art zentralem Portal sichtbar zu sein. Der DAV möchte im Rahmen der Anwaltssuche die bundesweite Plattform schlechthin werden. Allerdings ist es wünschenswert, dass die Vereine in ihrem Bereich nach wie vor mit den Mitteln der Kampagne präsent sind. Ich habe das Ziel der Aktion so verstanden, dass der künftige Mandant bei einem Rechtsproblem sofort und einzig an „Anwalt“ denken muss.

 

Die Redaktion:

Haben Sie für die Zukunft konkrete Wünsche an die Anwaltskammern und vielleicht speziell an die Rechtsanwaltskammer Düsseldorf?

 

Widder:

Ich wünsche mir weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit den Kammern. Einen regelmäßigen Austausch, der auch dafür sorgt, dass beide Institutionen sich wechselseitig vertrauen können, weil sie berechenbar sind.

 

Ich höre aus manchen Bundesländern und aus manchen Regionen, dass das nicht überall funktioniert. Aber mein Job ist es ja, dass dies hier in NRW gut gehändelt wird. Dafür setze ich mich mit meinem Vorstand im Landesverband ein.